Shitstorm (again)

Die Bundeskanzlerin sollte meinen Blog lesen. Ich habe schon öfters vor dem Begriff shitstorm gewarnt.

https://www.n-tv.de/panorama/Mit-diesem-Wort-irritiert-Merkel-Amerikaner-article20758149.html

https://www.crellin.de/2013/07/shitstorm-ist-ein-scheissgefaehrlicher-begriff/

Viele Deutsche gehen auch mit ähnlichen öbszönen oder beleidigenden Wörtern wie fuck und bitch extrem unvorsichtig um. Und unter Jugendlichen habe ich schon häufig gay als “lustig” gemeintes Schimpfwort für “schlecht” gehört. Das kommt in der englischsprachigen Welt meist nicht gut an.

 

Shitstorm ist ein scheißgefährlicher Begriff!

Neulich hat Angela Merkel den neudeutschen Begriff Shitstorm verwendet – und damit in den englischsprachigen Medien einen (kleinen) Shitstorm ausgelöst. Hier der hämische Bericht der BBC:

http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-23142660

Es heißt wörtlich ein “Sturm aus Scheiße” – gemeint ist natürlich ein “Sturm der Entrüstung” auf Social-Media-Kanälen.



Wir sagen zum Beispiel “social media storm”




Das Wortgebilde ist aus zwei Gründen scheißproblematisch. Erstens: Ein Shitstorm ist auf Englisch nicht auf Reaktionen im Internet beschränkt. 

Oder online storm


Siehe hierzu das Urban Dictionary:

http://www.urbandictionary.com/define.php?term=shitstorm

Zweitens und viel gravierender: Shitstorm ist auf Englisch EXTREM vulgär. Shit ist viel schlimmer als Scheiße. Aber deutsche Politiker gehen selbst mit „Scheiße“ scheißvorsichtig um. Aber in der teutonischen Welt ist shitstorm merkwürdigerweise salonfähig.

David Cameron oder Barack Obama würden den Begriff höchstens hinter sehr gut verschlossenen Türen im Flüsterton verwenden. In der Öffentlichkeit oder in Zeitungsartikeln? Nie.

Auch meine Kollegin und langjährige Freundin Sally Massmann hat darüber geschrieben:

http://sallymassmann.wordpress.com/2012/06/29/shstorm-ist-auf-englisch-ein-bisschen-schse/

Auch The Economist wundert sich über Angelas Wortwahl:

http://www.economist.com/blogs/prospero/2013/08/english-words-german