Ungewollte Schwangerschaft bei Werbeagentur in Siegen

Die Werbebranche liebt das Wort Konzeption. Und fast immer wird es völlig mistranslated als conception.
Es gibt sogar eine Agentur in Siegen, die sich gleich so getauft hat:

Und bei Bertelsmann gibt es eine Stelle, die ich jungen Männern mit viel Ausdauer und vielen eifrigen Spermien empfehlen kann:




Ja, es warten echt interessante Herausforderungen auf Sie! Und das Video möchte ich auch unbedingt sehen!


Zugegeben, es kann in bestimmten Fällen etwas mit Gedanken zu tun haben (You have absolutely no conception = Sie haben keine Vorstellung).

Aber conception wird in erster Linie als Empfängnis (ja, schwanger werden) verstanden. 


Hier hat the NHS (unser staatlicher Gesundheitsdienst) einige nützliche Hinweise zum Thema:

Daher sind Wortschöpfungen (Xing läßt schon wieder grüssen) wie e-conception (mittels Parship?) und creative conception (besonders anstrengende Stellungen vielleicht?) amüsant aber nicht sehr aussagekräftig.

Das folgende Angebot in Aachen könnte auch sehr reizvoll sein:


Wie man mittels PC schwanger wird, ist mir nicht ganz klar – aber wenn es hilft (vielleicht kann man die fruchtbarsten Tage errechnen)? Na dann.

Konzeption bei einer Werbeagentur ist concept development. Analog ist die Kreation creative development (wenn die Aktivität gemeint ist) oder the creative department / team (wenn die Abteilung beschreiben werden soll). Die Künstlertypen, die hinter dieser Arbeit stecken, nennen sich einfach creatives. Creation dagegen ist die Schöpfung – und hat eine göttliche Dimension.
Überhaupt ist das Wort Konzept bzw. Konzeption mit größter Vorsicht zu genießen.
Für euch ist ein Konzept meist viel konkreter als für uns a concept.
Konzept kann plandesign, development sogar solution sein.
Aber bitte den Begriff immaculate conception auf jeden Fall vermeiden, es sei denn Sie sind der Papst.

Garbage in, garbage out

Ja, das führende IT-Denglisch-Inkompetenzzentrum ist wieder sehr aktiv gewesen (und das ist mein Kunde!!! Seit fast 20 Jahren! Solange kämpfe ich gegen sprachliche Windmühlen!! Seufz).

Es gibt wieder mal eine Broschüre aus Berlin. Auch hier muss ich leider feststellen: der deutsche Text ist suboptimal. Übergibt man das suboptimale Orginal an einen suboptimalen translator, kommt astreiner Schrott dabei raus. Oder wie die Amis zu sagen pflegen: garbage in, garbage out (GIGO).

Ich entschuldige mich jetzt schon bei den Leuten, die nicht unbedingt “IT savvy” sind. Das wird für euch jetzt langweilig.

Garbage in:
Fliegender Wechsel. Ambition: Vom Konzept bis zum Regelbetrieb der Application Management Services

Garbage out:
Swift change. Ambition: From conception to standard operation of AMS

Garbage in – Erklärung

Erstens: Application Management Services ist nicht unbedingt der beste Begriff – es geht um Pflege, Wartung und Weiterentwicklung, nicht um Betrieb/Hosting.

Zweitens: Fliegender Wechsel? Nach etwas Recherche bin ich dahinter gekommen – der Übergang zum AMS-Outsourcing-Modell mittels Ambition kann recht schnell und reibungslos über die Bühne gehen. Kommt nicht klar rüber.

Drittens: Es geht nicht wirklich um den Regelbetrieb der AMS – sondern um die Pflege der Kundenanwendungen mittels AMS im Regelbetrieb. Ambition ist eine Methodik für das Aufsetzen der AMS. Das kommt auch nicht klar rüber – der Begriff “Regelbetrieb” wird hier zweckentfremdet.

Viertens: es sind hier verschiedene Gedanken ohne Methodik zusammengeworfen worden.

Garbage out – Erklärung

Erstens: das hat der Übersetzer nicht kapiert.

Zweiten: ditto: es geht hier um den Übergang, nicht um schnelle Veränderung per se

Drittens: der Denkfehler hat der Übersetzer einfach übernommen. Conception ist meist Empfängnis. OK, mit “of AMS” nicht ganz so eindeutig, aber auch nicht gut. Es geht hier um planning mittels a proven methodology. (vor allem um gut aufgesetzte, gut durchdachte Prozesse – also wäre process design auch eine Möglichkeit). Und es ist nicht standard operation – im Gegensatz zu non-standard operation, was auch immer das ist. Es geht hier um die AMS-Aktivitäten während ongoing operation(s) oder the production phase – oder nach go-live.

Viertens: garbage in, garbage out.

Macht ja nix.

Übrigens: ich schreibe nicht nur Schmähblogs über meine Kunden (aus purer Verzweifelung). Ich versuche auch, sie vom denglischen Holzweg auf die Anglo-Saxon Superhighway zu führen.

Also habe ich bei Entdeckung des Go-Globality-Sprachmülls (siehe früheren Eintrag) den Leiter Marketing des Inkompetenzzentrums persönlich angeschreiben, und meine lingusitische Kritik und chirurgische First Aid angeboten. Keine Anwort. Der Text inklusive Fußnote des Übersetzers ist noch online zu haben:

http://download.sczm.t-systems.de/ContentPool/en/StaticPage/38/86/46/388646_Next-Generation-Workplace-ps.pdf?client=t-systems.de

You can lead a horse to water, but you can’t make it drink.
Free English lessons:

Garbage in, garbage out – eine moderne Redewendung, in etwa: Müll als Input, Müll als Output

You can lead a horse to water, but you can’t make it drink – eine recht alte und schöne Redewendung. Man man kann das Pferd zum Wasser führen, aber saufen muss es schon alleine – sprich: Hilfe kann man anbieten, aber wenn sie nicht genommen wird – kannscht nix mache

IT savvy – kennt sich im Bereich IT aus, IT-affin