Wie übersetzt man Impressum? Part 1

Ich habe mich eine ganze Weile vor diesem Begriff gedrückt. Zum einen ist es verdammt knifflig zu erklären. Zum anderen regt mich das Thema auf – denn hier merkt man die Bequemlichkeit vieler Übersetzer (sprich: es steht weit oben bei Leo, also nehme ich das halt – auch wenn ich das selber nie gehört habe). Aber eins nach dem anderen:

Heute widmen uns den Print-Produkten (morgen kommen die Websites dran)

Bei germanischen Publikationen stolpert man regelmäßig über die Überschrift “Impressum”. Nun, was steht bei englischen newspapers, magazines and books? GAR NIX.

Es werden zwar Herausgeber, Anzeigenverkaufsleiter und Art-Director aufgeführt. Aber ohne Überschrift. Das ist mir damals in Liverpool und London natürlich gar nicht so aufgefallen – aber später habe ich im Gegensatz zu den Lazy Leo Linguists (sehen Sie – das Thema regt mich auf!!!!) Recherche betrieben.

Aber welcher Kunde akzeptiert den Hinweis: GAR NIX? Keiner. Erst recht nicht der schwäbische Grafiker, dem das Wort Impressum so vertraut ist wie die Schlachtrufe von VfB Stuttgart. Also schreiben viele Übersetzer imprint, oder die besonders faulen (sorry, sorry, aber ich habe Sie gewarnt: das Thema regt mich auf!!!!!) gleich impress. Impress ist beeindrucken. Hoffentlich tut das die Zeitschrift auch. Aber die Überschrift ist n Scheiß (I did warn you).

Imprint ist schwierig, sehr schwierig. Ja, ja, auf Seite 397 unter Absatz 24 der Mega-Groß-Ausgabe von dem Oxford-Wörterbuch steht irgendwas dazu. Aber ich habe noch nie in meinem Leben diese Überschrift gesehen – bis auf übersetzte deutsche Titel.

Man nehme einen normal sterblichen Engländer und zeige ihm diese Überschrift. Was versteht er dadrunter? GAR NIX. imprint ist für ihn ein Abdruck. Wovon ist nur die Frage.

Hat denn imprint GAR NIX mit Publikationen zu tun. Doch, doch. Es steht sogar teilweise auf der Impressumseite drauf. Und imprint page ist absolut koscher. Wir verwenden das Wort aber ganz anders.

Haben Sie einen novel irgendwo rumliegen? Schauen Sie vorne rein – da steht unter Umständen sowas wie: Pantheon is an imprint of Random House (ich habe übrigens genau diesen Satz gestern auf dem Weg zum Squashspielen in Waiblingen im National Public Radio gehört – ein Sender, der den Beweis liefert, dass es doch intelligentes Leben auf dem Planeten USA gibt).

Oder googeln Sie mal (mit Anführungszeichen vorne und hinten) “is an imprint of“. You see? Imprint ist sowas wie eine Untermarke von einem Verlag.

Also was tun? Fuzzy research heißt das Zauberwort. Damit meine ich: um das Thema herum recherchieren – nicht nur versuchen, eine schnelle, nicht-hinterfragte Bestätigung für eine bequeme Übersetzung zu finden.

Und wir werden dann fündig. So schreiben manche US-Titel masthead. Aha!!!! Wir haben die Lösung!!! Jaaaaa. Maybe. Es wird aber selten als Überschrift verwendet (Und bitte bloss nicht für Websites, aber das kommt in Part 2).

Außerdem: für viele bedeutet masthead nicht die Auflistung der Magazin-Mitmacher sondern der Schriftzug auf der Titelseite. Es ist möglicherweise wieder so eine Kultur-Kluft zwischen Britain and America. Ich bin mir da nicht sicher.

Es gibt auch andere Möglichkeiten: credits liest man bei manchen coffee-table books zum Beispiel. Ich persönlich finde about this publication oder publication details nicht schlecht als Hilfslösung. Aber es ist nur das: eine Hilfslösung für verständnislose VfB-Stuttgart-Fans mit Hang zur Grafik.

Eins ist jedoch bombensicher: imprint ist keine gültige Überschrift. Leo fans take note.

Free English lessons:
Fuzzy = unscharf; fuzzy research in Anlehnung an fuzzy logic
Novel = Roman
Coffee-table book = Bildband
Leo fans take note = Leo-Anhänger aufgepasst!

I‘m not comfortable with comfortable software

Komfort ist ein dehnbarer, luxusanmutender Begriff. Comfort nicht. A chair is hoffentlich comfortable. Eine Software-Lösung nicht. Es gibt tatsächlich Leute, die das sagen, also falsch ist es nicht – aber I’m not comfortable with it. Ich vermute dahinter auch eine Umkehrosmose über Walldorf.

Für mich ist sie je nach Kontext user-friendly, intuitive, funtionality-rich oder powerful. Aber nicht comfortable. Es sei denn, Sie wollen sich auf die Silberscheibe setzen.

Auch in anderen Zusammenhängen ist Vorsicht geboten – luxury oder convenience ist manchmal die bessere Übersetzung

Xing ist eine Fundgrube für False Friends

War heute kurz auf Xing, und innerhalb von 5 Minuten habe ich zwei False-Friend-Sünder auf frischer Tat ertappt – und wieder mal möchte-gern company names.

Perspectives GmBH – eine Unternehmensberatung. Das Problem? “Perspektiven” beinhalten Chancen, neues, Innovationen, Zukunft… perspectives dagegen sind nur Blickwinkel.

Aber das geht noch. Es kommt viel, viel besser:

Bog-solutions. Den überflüssigen deutschen Bindestrich lassen wir mal durchgehen. Solutions ist auch ok. Aber bog???? In England ist ein bog ein Klo (in Russland, Kroatien und woanders ist das Gott, aber das ist eine andere Geschichte). Also verkauft der nette Herr aus Münster (eine sehr schöne Stadt, in der ich zum ersten Mal auf einem Wasserbett schlief) wohl robuste Bürsten und gelbe Flüssigkeiten.