Ist ja bekannt



Consider the next sentence:

Wir texten auf Englisch für viele bekannte bzw. renommierte Werbeagenturen.

Wie übersetzt man das?

Klar, ich kann well-known and renowned ad agencies sagen. Aber well-known ist nicht positiv. Oft sogar recht negativ. Und renowned is irgendwie arg konservativ. Es riecht nach Eiche rustikal und Staub. Auf jeden Fall nicht unbedingt Adjektive, die ich mit Selbstlob in Verbindung bringen würde.

Ich nehme lieber leading, high-profile, vielleicht sogar famous oder big-name.

SMS = text; text = copywriting
Und texten? Write (English) copy oder nur write in English. Texting dagegen ist SMSen. Nur selten sagen wir: I’ll send you  an SMS. Üblich ist: I’ll text ya!

Übrigens: Kundenberater bei einer ad agency ist ein account manager. Nix mit customer (eher client sowieso) oder consulting

No smoking [was für uns kein Kleidungsstück ist]
And apropos of nothing: Ich stand Freitag während unserer Einweihungsfeier (office-warming party) hinter der Villa (nein, nicht villa, eher mansion, big house – googeln Sie mal mansion tax), in der sich unser neues schickes Büro befindet – und habe heimlich eine Kippe mit Burkhard Anderko (einem genialen deutschen Texter) gepafft.

Versailles in Ludwigsburg?
Er sah das gepflegte Grünzeug, die hübschen Mauern und die mit Liebe angelegten Wege an – und lobte den „Park“. Tja, einen park würde ich das auf Englisch NIE nennen – a park ist für uns was sehr, sehr Großes und vor allem Öffentliches.

Alles andere ist für uns a garden. Oder gardens – wenn es Versailles ist.

Ja, false friends lauern überall. Auch im Garten. Er, im Park.


Hier Bilder von der Villa:


https://www.crellin.de/deutsch/aktuelles/aktuelles.php



Linguistic allsorts – irritieren auf Englisch

Sehr praktisch
Wir haben etwa 10 Praktikanten (interns) im Jahr. Und welche Schwäche haben sie (fast) alle? Sie spielen nicht nur extrem schlecht Kicker. Nein, nein, viel schlimmer: Sie erkennen die false friends oft nicht. Heute zum Beispiel mein absoluter Favorit: irritieren. Dabei wollte der David das nicht ganz wahrhaben. Das ist doch so nah an irritate (was „nerven“ heißt), es muss doch das Gleiche sein, oder???????? Zu mal manche Wörterbücher den gleichen Fehler machen.

Dann haben wir eben gegoogelt, und den perfekten Beweis gefunden:

Handys irritieren Herzschrittmacher

Ist zwar eine brutal-gut-schlechte Überschrift von Focus (Bild für Möchte-Gern-Intellektuelle), aber da war auch David davon überzeugt, dass man auf Englisch mobiles bzw. cell phones nicht irritaten kann.

By the way: perfekt würde ich (fast) nie mit perfect übersetzen. Ich fuhr neulich einem truck hinterher, auf dessen Arsch „perfect products, perfect service“ stand. Hmmm. Sehr germanisch. Great products, great service wäre da much more natural.

Das ist missvorständlich
Heute hatten wir auch „Vorstand“. Da muss man höllisch aufpassen. Das kann ein management board, ein executive board, oder auch eine Einzelperson sein. Das könnte der CEO oder eben ein anderes Mitgleid des Vorstands sein – und wie er oder sie sich nennt, dass muss er oder sie wissen.

Heute zum Beispiel war es ein Executive Vice President. Das kann man nirgendwo nachschlagen – nur nachfragen (oder mit viel Glück nachforschen – wir haben es bei seinem Xing-Profil gefunden).

Uhhh, ahhh, ohhhh!
Ach ja, und dann wurden wir wieder mal von einem Kunden korrigiert. Macht nix, sind wir gewohnt. Aus an SAP solution wurde a SAP solution.

Bei a/an geht es nicht um den Buchstaben (also S) sondern um die Aussprache (an es eh pee solution).

Umgekehrt gilt es auch – es heißt a European solution nicht an European solution – denn man spricht es aus: Yoooropeee-an.

Yasoo, pethi moo! Griechenland läßt grüßen
Die abstürzende Währung heißt euro mit klein E auf Englisch. Da werden wir auch sehr oft „korrigiert“.

Wellness
Ja, das gibt es auf Englisch:

http://www.ecademy.com/account.php?id=104709

Aber nicht so oft und breitgetreten wie im Denglischen. Neulich war ich zwischen Aschewolke Nr. 1 und Aschewolke Nr. 2 in London: Da habe ich das Unwort kein einziges Mal gesehen (ich war mit meiner heißgeliebten Oyster-Karte viel unterwegs in Sache Linguistik). Dafür: spa, well-being, sanctuary, feel-good…

Also: Nicht übertreiben (was nicht don’t exaggerate wäre sondern don’t overdo it)

Wenn deutsche Kunden Englisch schreiben…

Fast täglich erhalten wir Emails mit folgender Bitte:

“Wir haben selber was auf Englisch geschrieben… Sie brauchen nur kurz drüber schauen!”

Bei solchen Anfragen schrillen bei uns sofort sämtliche englische, schottische und walisische Alarmglocken. Selbst der einsame Schwabe im Büro geht in Deckung.

Aber ich kann doch Englisch??!!
Auch wenn der Kunde 10 Jahre in den USA lebte und sich bestens mit den englischen Fachbegriffen der Branche auskennt – er (oder sie) kann besser auf Deutsch als auf Englisch formulieren. Und wir können besser Englisch – really.

Wenn ein Nicht-Muttersprachler selber auf Englisch schreibt…

  • Häufig stimmt die Struktur/ die logischen Verbindungen des Dokuments nicht – denn der Autor muss sich zu sehr auf die Fremdsprache konzentrieren!
  • Vieles ist unklar formuliert – teilweise verstehen wir einfach nicht, was der Autor sagen wollte. Wir müssen anrufen, oder raten
  • Viele Formulierungen sind unnatürlich – trotzdem kann es selbst einem geschulten Muttersprachler schwer fallen, das Problem genau zu erkennen und zu korrigieren
  • Besonders beliebt sind “falsche Freunde” – Wörter, die auf Englisch und Deutsch sehr ähnlich klingen, aber doch unterschiedlich sind. Hier kann es sehr schwer sein, die eigentliche Intention des Autors zu deuten

Ich erinnere mich besonders gern an die Anfrage für ein 50-seitiges Dokument von einem großen Konzern mit Sitz in Bonn. The Men in Magenta wollten es selber auf Englisch schreiben (angeblich um Zeit und Geld zu sparen) – dafür waren 4 Wochen anberaumt. Wir sollten drei Tage zum Überarbeiten haben. Schnell drüber schauen geht doch flott, oder? Der erste Satz im Entwurf ließ schon Schlimmes erahnen: “The actual document…”. Wir haben dankend abgelehnt.

Warum ist das so schlimm?

Bei Englisch-made-in-Germany können wir nicht frei texten oder übersetzen – sondern müssen uns erst mal mühsam in den Text reinfinden. Die Gefahr ist sehr groß, dass wir Fehler in den “fertigen” englischen Dokumenten übersehen. Auf jeden Fall ist das Endergebnis nie so gut, wie bei einem Text, der von Anfang an von einem Muttersprachler erstellt wurde. Und das Ganze wird wesentlich aufwendiger und teuerer. Mit Spaßfaktor Null.

Bauen Sie Ihr eigenes Haus?
Zum Vergleich: Wenn Sie versuchen, Ihr Haus selber zu bauen und erst zum Schluss den Fachmann holen, so kann er nicht kurz drüberschauen – sondern er muss erst mal feststellen, was und wie alles gemacht wurde. Und oft muss er alles, inklusive Fundament, komplett neu machen. So geht‘s uns auch.

Was tun?
Wir werden gern auf Deutsch gebrieft. Aber schreiben lieber selber auf Englisch. Das ist besser, schneller und nervenschonender. Und fast immer billiger.

Von Menschen und Maultaschen

Umsatzsteuererklärung, mini-break am Lago di Ledro und dann auch noch Scharen von aus dem Urlaub wiederkehrende Kunden – wie lästig. Man merkt es: ich komme nicht zum Bloggen.

Also wieder mal auf die Schnelle.

Letzte Woche durfte ich die angeblich schon englischen Titel von Abteilungen und Managern eines dynamischen schwäbischen Mittelständlers überprüfen. Wie gewohnt und hier schon oft bemoaned, war alles schön verdreht – finance and control human ist zum Beispiel besonders nett. Erinnert an die Schilder auf der Autobahn: Vorsicht: hier arbeiten Menschen! Oder in diesem Fall nur der eine. Der Control Human. Man stellt sich den typischen Dialog auf dem Flur der Starship Enterprise vor:

Have you seen the Control Human ?
Yep, he’s gone to lunch.

Womit wir beim Leckerbissen des Auftrags wären: denn bei der stark exportorientierten Firma wird im casino gegessen. Nur ist das leider im Englischen Roulette und Co. und nicht Maultaschen und Co. Wie die Marketing-Managerin auch meinte: „Dann werden wir wohl das Schild über der Tür austauschen müssen.“ Ich würde es zumindest vor dem nächsten Besuch aus Utah empfehlen.

Übrigens: der Trend zum Hintenanstellen von Adjektiven wird auch zu recht im wunderbaren Buch Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod angeprangert.

Free English lessons:
mini break – Kurzurlaub
bemoan – beklagen