Individuell/Individuallösung auf Englisch

Individuell/Individual- ist ganz selten individual auf Englisch. Denn individual heißt einzeln.

Nehmen wir das Beispiel Software. Eine Individuallösung ist meist a custom solution – also von Grund auf für einen bestimmten Kunden entwickelt. Eine Standardlösung, die angepasst wurde, ist dagegen a customized solution.

Ganz allgemein kann man auch von customer-specific, made-to-measure, tailor-made oder tailored software sprechen. Meine Landsleute schreiben zeitweise bespoke software – was mich aber zu sehr an die häßlichen Anzüge von Prince Charles erinnert.

Außerhalb der IT-Welt ist personalized manchmal die beste Variante – wenn zum Beispiel ein Produkt oder ein Schreiben an eine Einzelperson angepasst wird.

Leider hat sich diese Erkenntnis bei meinem Noch-Kunden T-Systems nicht überall durchgesetzt. Der Konzern hat soeben eine neue Tochter gegründet: Individual Desktop Solutions. Macht ja nix – die Firma hat eben ein sehr individuelles Englisch.

Mit und ohne S – sowie ein Bericht aus Sinsheim

Gratulation! Auf Englisch? Congratulations. Plural. Mit einem S. Stehende Ovationen? Standing ovation. Singular. Ohne S. Wir machen eben alles etwas anders.

Übrigens: war die letzten Tage viel in Museen und Freizeitparks unterwegs – in ohrenbetäubender Begleitung zweier Jungs aus Sheffield sowie deren Eltern.

Besonders gut fanden the boys die Übersetzungen im Technikmuseum Sinsheim. Denn sie waren unfreiwillig komisch. Offensichtlich von einem Nicht-Muttersprachler erstellt, und gespickt mit orthografischen und grammatikalischen Fehlern. Aus “Leistung auf dem Papier” wurde “paper performance”, aus “Daimler lieferte nur” wurde “Daimler did not deliver”, und aus “Bausatz-Auto” wurde ein “cit cat”. Na guten Appetit!

Incompetence with system

Es gibt griffige Wörter und Wortkombinationen, die oft für Headlines und Slogans eingesetzt werden. Kompetenz in Finanzen, Logistik mit System, Kreativität ohne Grenzen.

Es gibt natürlich core competencies. Aber das habt ihr eh von uns geklaut. Also Vorsicht: während Kompetenz eine aüßerst positive Ausstrahlung hat, ist Competence so la la – es ist die Fähigkeit, irgendwas zu tun, aber viel mehr auch nicht.

Stellen Sie sich zum Bespiel folgenden Dialog vor:

Is he any good?”
He’s competent.”

Das nennt sich damning with faint praise. Sprich: es ist gerade so wenig Lob, dass es wie vernichtende Kritik ankommt.

Viel besser ist expertise, oder skills.

Soziale Kompetenz zu Beispiel ist nicht, liebe BASFler, social competence, sondern soft skills oder interpersonal skills.

Dann gibt es mit System. With system ist völlig bedeutungslos. Ich höre den Kundenberater schon grummeln: wie übersetzt man es denn? Naja, die Idee dahinter könnte man etwa mit “systematic” umschreiben – aber nur umschreiben. Das ist nicht headline-tauglich. Wie sooft heißt die Lösung: komplett neu auf Englisch dichten.

Ohne Grenzen ist ähnlich. Ich habe verschiedene Übersetzungsversuche gesehen: without borders, without frontiers, without limits – und heute bei SAP: without barriers. Leider wird “barriers“vor allem in Verbindung mit Behinderung verwendet – barrier-free housing zum Beispiel (was ihr auch geklaut habt).

Diese Versuche sind nicht auf der Nonsens-Ebene von with system. Aber für die meisten Headlines nicht das Ideale – denn es geht nicht um geografische Grenzen oder physische Barrieren. Sondern um das “Grenzenlose” an sich. Eine Möglichkeit wäre unlimited. Creativity unlimited zum Beispiel. Aber auch hier wäre es besser, auf Englisch von Null anzufangen – und nicht typisch deutsche Strukturen zu übernehmen.

Übrigens Spiel ohne Grenzen gabs auch bei uns. Hieß allerdings: It’s a Knock-Out

Ein Akku zweiter Klasse

Heute morgen brachte mein Laptop folgende Microsoft-bekannte Meldung:

Niedriger Batteriestatus.

Die arme Batterie. Was hat sie denn so schlimmes getan, dass sie einen so niedrigen Status bekommen hat? Beim Abi durchgerasselt? Jetzt bei Hartz IV gelandet?

Kommt wohl von low battery status.

Low bezieht sich allerdings auf Battery und nicht Status. Wie wäre es mit “Achtung: Akku bald leer”? Bill, are you listening?

Genug für heute: ich brauche dringend ein McMenü (was natürlich kein menu ist, sondern ein extra value meal).

IT workplaces from the same mold

Deutschlands Hersteller Nr. 1 von IT-Denglisch bringt mich heute schon wieder zum Lachen.

Es geht um Next-Generation Workplace. Das kann man durchaus sagen. Wenn es um den workplace insgesamt geht – also um den abstrakten Ort, wo man arbeitet, den Betrieb. Aber nicht, wenn es um die konkrete Technik geht – sie wird höchstens dort eingesetzt.

Ich gebe zu: Der Unterschied ist schwer zu verstehen.

Zum Beispiel: wenn ich vor meinem Bürogebäude stehe, dann kann ich sagen: This is my workplace. Und wenn es um Mobbing (was natürlich nicht so heißt, sondern bullying oder harassment) geht, dann ist das auch in the workplace. Aber wenn ich auf meinen konkreten, physischen Arbeitsplatz (= den Schreibtisch mit PC) zeige, dann nicht – höchstens aus einer gewissen Entfernung!

Der Platz an sich ist my desk oder vielleicht my cubicle, der Arbeitsplatzrecher ist halt meist my desktop system oder notebook. Die gesamte Technik ist aus IT-Sicht the desktop environment. Der Arbeitsplatz in einem Call Center dagegen ist eher eine workstation.

Diesen Unterschied versteht der deutsche Texter von dem hübschen White Paper, über das ich heute gestolpert bin, offensichtlich nicht (oder wurde schon auf Denglisch gebrieft).

Wenn man aber den ohnehin irreführenden und teilweise sehr schwer verständlichen deutschen Text durch eine noch schlechtere Übersetzungsmühle schickt, dann kommt folgender Müll heraus. Bitte insbesondere auf den Schlusssatz achten!

Independence works better when you’re connected. Combined on an entirely as-needed basis.

Next Generation Workplace forges a unity out of a variety of IT workplaces. That’s because it handles services and devices separately and links them through standardized service modules. The result: the widest variety of access, service and device combinations. And always from the same mold.

Independence works better? Combined? Was wird combined? Und so weiter. Allerdings liegt auch viel an dem Ausgangstext. Den erspare ich Ihnen an dieser Stelle.

Wer sich für die richtige Verwendung von next-generation workplace interessiert, mag vielleicht hier schauen:
http://download.microsoft.com/download/8/3/1/83130e47-e8c5-48e9-ba54-f29e8fe34a67/Avanade_Accenture_UCLaunch2007_Final.doc

Have a nice weekend. I’m out of here.