operativ, produktiv – konstruktive Kritik

Operatives Management auf Englisch? Operational management. Nicht operative. An operative ist jemand, der eine Maschine bedient.

Produktivumgebung (ja, ja, IT schon wieder)? Production environment. A productive environment ist eine, in der die Menschen gern und gut arbeiten.

Wird eine Anwendung produktiv geschaltet (Wirkbetrieb, Regelbetrieb), so heisst das:

The application has gone live.
The application has gone into production.
The application has been transferred into the production environment.

Und so weiter. Aber nix mit productive, regular, action – oder was ich sonst für Auswüchse erlebt habe.

Digitalisierung, Authentifizierung, Adaption

Heute wieder mal was für die IT-Fuzzis. Naja, nicht nur.

Digitalisierung heisst auf Englisch to digitise (auf Obama-Englisch: digitize). Liebe Übersetzer, bitte memorise. Auf Denglisch ist das digitalise. Leute, das ist FALSCH!

Authentifizierung heißt auf Englisch authentication. Nicht authentification. Leute, das ist FALSCH! Auch auf Obama-Englisch.

Ach, alles auf Englisch ist kürzer? Nein, nicht immer.

Wird ein Text von uns adaptiert, so ist das Endprodukt eine adaptation. Manche Konkurrenten behaupten, adaptions anzubieten. Leute, das ist FALSCH!!!! Und das obwohl es angeblich deren Kernkompetenz (core competency) sein soll.

Out of office in Welsh

Auch in Großbritannien wird übersetzt – gelegentlich auchs Walisische. Und auch in Great Britain geht das manchmal schief.

Ich bin Axel E. für den Hinweis auf folgenden Bericht dankbar:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/wales/7702913.stm

oder auch auf Deutsch:

http://www.zoomer.de/news/news-zoom/mixed/abwesenheitsnotiz/falsches-straszenschild-dank-falscher-mail

Dahinter steckt aber auch ein Problem, mit dem wir auch zu ständig zu kämpfen haben: man sollte gesetzten fremdsprachlichen Text von einem entsprechend kundigen Ausländer korrektur lesen lassen. Bei uns ist das schon im Preis inbegriffen. Das Angebot wird aber nicht immer in Anspruch genommen. Und oft hat der (deutschsprachige) Kunde unseren Text zwischenzeitlich “korrigiert” (da fällt mir das wunderbare Wort “verschlimmbessert” ein).

Es ist ein Vorgang, der in der eigenen Sprache undenkbar wäre – eine deutsche Broschüre oder Anzeige, die von einem Nichtdeutschen geändert wurde – und dann ab in den Druck ohne Gegenkontrolle? Aber auf Englisch? Ja klar, machen wir. Englisch kann doch jeder.

Billiger Flug? Billige Übersetzung?

GermanWings ist bekanntlich eine Billigfluglinie. Trotzdem leistet sie sich eine Hochglanz-Zeitschrift samt Interview mit Anke Engelke. Die Übersetzung dagegen scheint auch low budget zu sein (10 Cent pro Wort laut Eintrag auf proz.com).

Bei GermanWings hapert es manchmal am Service. Bei den Übersetzern hapert es ein wenig an der Orthografie und Grammatik.

Beispiel Titelblatt:

Das heißt its nicht it’s. Und A city on its way? Versteh ich nicht. On the way to where? Macht nix.

Es wäre auch ratsam, wenn die Übersetzer mal die Schreibhilfe einschalten würden.

Accommodation zum Beispiel schreibt sich mit zwei M. Die Übersetzer haben sich wohl aus Kostengründen ein M gespart. Gleich viermal auf Seite 60 und 61.

Arg German vom Duktus ist auch die Überschrift auf Seite 54.

Wellness for the hair?

Wellness ist das sprachliche Pendant zu Roger Whittakar. Ja, irgendwie „English“ – aber richtig Karriere hat er erst in Deutschland gemacht.

Wellness wird im Deutschen richtig breitgetreten und für alles genommen. Und “the hair” ist auch nicht gerade schön. Macht nix.

Aus dem Gleichgewicht geraten

Englische Fachbegriffe werden von Teutonen gern abgekürzt – mit unbeabsichtigten Folgen.

UBS, NordLB und German Invest zum Beispiel verkaufen Finanzlösungen, die völlig aus dem Gleichgewicht geraten sind: Off-Balance-Lösungen.

Gemeint sind natürlich Lösungen, die nicht auf der Bilanz auftauchen (z.B. Leasing). Aber eine Bilanz ist ein balance sheet. Abkürzen sollte man das nicht. Denn: Balance ist das Gleichgewicht. Off balance heisst aus dem Gleichgewicht geraten. Naja, die Finanzmärkte sind das schon.