Alles Müller, oder was?

Wie heißt denn „oder“ auf Englisch? Intriguingly, nicht immer “or”.

Nehmen wir zum Beispiel folgenden Satz unter die linguistische Lupe:

Die Zutaten stammen überwiegend von Markenlieferanten wie z. B. Hochland, Nestlé oder Müller.

Richtig, das „oder“ müsste man mit and übersetzen.

Big things

Überall in den deutschen Medien wird President Obama in Bezug auf die Gesundheitsreform mit den Worten zitiert: [es beweist], “dass die Amerikaner in der Lage sind, große Dinge zu tun.”

Ja, ja, big things. Wie wäre es mit “Großes zu leisten?”

Denn things ist ganz anders von der Tonalität her als “Dinge”. Wir können halt nicht so schnell und flexibel aus Adjektiven Substantive basteln wie ihr Deutschen. Also brauchen wir (oft aber nicht immer) ein Hilfsmittel – things, ones, people.

Originalzitat – auch als Video – hier:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/8579322.stm

Wal(l)dorf salad

In deutschen Texten wird der Standort (ein Wort, zu dem ich irgendwann mal ausführlich Stellung nehmen möchte) gern zum Synonym umfunktioniert.

Zum Beispiel:

Die Walldorfer (für SAP)
Die Stuttgarter (für Daimler)
Die Münchner (für BMW)
Die Hamburger (für Buletten im Brot)

Wenn man das wörtlich ins Englische rüberschaufelt, kommt ein Salat dabei raus. Besonders wenn es um internationale Unternehmen und internationale Zielgruppen geht, wirkt the Walldorfers und selbst the Stuttgarters recht eigenartig bis provinziell. Haben die denn keine anderen Standorte? Nur Mitarbeiter aus dem Umland?

Gelegentlich kann man vielleicht von einer Stuttgart-based company reden – aber die haben bekanntlich auch andere bases (wobei man im Englischen in erster Linie schon die Zentrale dahinter vermutet). Oder vielleicht

the enterprise, headquartered in Stuttgart, …

Aber ich würde es nur dann empfehlen, wenn sonst eine wichtige Info verloren ginge.

Denn: der Begriff „die Walldorfer“ liefert keine besonders schutzbedürftigen Inhalte. Er ist nur Verpackung. Auf Englisch irritiert (false friend!) die Verpackung nur.

Ähnlich ist es mit:

Der 45-jährige Betriebswirt….

Nicht nur ist ein Satz, der mit The 45-year-old holder of a degree in business studies extrem holprig (it’s one hell of a mouthful). Er enthält gleich zwei kleinere cultural faux pas.

Wie Diana (unsere Mitarbeiterin aus Obama Land) sagte: „To name their age makes it sound like a celebrity magazine.“ Und insbesondere Amis sind recht empfindlich, wenn es um Altersangaben geht – Bewerbungen aus der neuen Welt enthalten fast nie a date of birth.

Presseerklärungen und selbst Profile in the Anglosphere verzichten in der Regel auf die Nennung von Qualifikationen. Das ist höchstens einer beiläufigen Erwähnung wert – vor allem, wenn es als kurios oder aussergwöhnlich gilt. Bei Maggie Thatcher zum Beispiel wird oft ihr degree in chemistry erwähnt. Aber nicht immer – uns interessiert mehr die Karriere als das Stück Papier. Siehe zum Beispiel:

http://www.bbc.co.uk/history/historic_figures/thatcher_margaret.shtml

Solche Sachen wegzulassen kann jedoch bei teutonischen Auftraggebern Unverständnis oder gar Empörung auslösen. Also entweder den Kunden telefonisch oder im Text einstimmen (ich sage dazu immer: „Take the client with you“). Oder die Info an anderer Stelle einbauen, wo es nicht so weh tut.