Mehr Glück als Verstand auf Englisch

Mein Cousin aus Liverpool war letzte Woche zu Besuch. Und hat mir einiges beigebracht – nicht nur wie man Bilder aufhängt und Löcher bohrt, sondern auch ein paar sprachliche Dinge.

Seit  Jahren bin auf der Suche nach einer englischen Lösung für Mehr Glück als Verstand. Peter brachte sie gleich mit im Gepäck: More good luck than good management. Vielleicht gibt es den Spruch schon lange, mir war er aber nicht geläufig.

Er hat auch öfter gemeint, er wäre all made up. Nein, er war nicht geschminkt, sondern  glücklich. Das scheint aber nordenglischer Dialekt zu sein.

Außerdem: to cut a long story short ist inzwischen wohl selbst zurecht gestutzt worden – auf  long story short.

Und wenn alles beim Alten geblieben ist, so sagt man same old, same old – ganz ohne Verb oder sonstige grammatikalische Feinheiten.

Mahnverfahren auf Englisch

Heute ein Beitrag von Laura Macdonald:

Translation is as simple as A = B, isn’t it? But what if A could mean B, C, D, F or G? Sometimes, it’s just not that clear cut. And often, there is more than one right answer.
So if there are multiple terms out there, how do you pick the best one? Context is king. And Mahnverfahren is a case in point.
I come across it in a text on factoring. Now Mahnungen have cropped up in our translations before. But reminders are only part of the Mahnverfahren story. Yes, I’m sure Mahnverfahren does involve sending a fair few reminders. But that’s not all. Mahnverfahrendescribes the whole caboodle, including court proceedings: in short, everything required to get the cash off the customer and into your account.
My initial research produces some interesting findings. I discover that factoring companies chase slow payments. That they collect the cash. Demanding payment seems to be another popular expression (with over 100,000 Google hits from reputable sources). But would my newly learnt terms work in the context of our translation?
Well chasing and collecting paymentscertainly wouldn’t be wrong. And neither would demanding payment. In an informal context, that is. But our text is a fairly in-depth and technical description of how factoringworks. And we don’t want to be too casual about it. Surely there’s a less colloquial term out there?
Indeed there is: dunning – more professional, more formal, and more appropriate for our context. And used in both UK and US English. You can even talk about the dunning process, if you wish. Now that’s more like it. 

Im Druckwesen: Nutzen, Nutzenverteilung, 2er Nutzen

Heute ein Beitrag von Diana Mangold:

Vor ein paar Wochen hat uns Novadex, die eine Softwarelösung namens LetterMaschine für die automatisierte Erstellung von hochindividualisierten Mailings bietet, eine scheinbar einfache Frage gestellt: „Wie heißt Nutzen auf Englisch? Zum Beispiel 2er Nutzen?“ 

Mehr zum Unternehmen hier: http://www.lettermaschine.de/

Unsere Ansprechspartnerin hat mehrere Vorschläge bei Leo und Co gefunden. Vieles von dem, was die Online-Wörterbücher vorschlagen, ist richtig – aber (leider!) nicht alles. Es kommt auf den Kontext an.

Was sagt Google Images dazu?
Was genau verbirgt sich hinter dem Wort „Nutzen“? Erster Schritt: Suchbegriff „Nutzen Druckbogen“ („Druckbogen“ hinzugefügt, um nur die relevantesten Hits zu bekomen) bei Google Images eingeben. Da sieht man große Bögen Papier, auf denen mehrere Drucksachen wie Flyer, Bilder oder Grußkarten nebeneinander gedruckt werde. Manchmal sind die Objekte identisch, manche unterschiedlich.

Zwei Beispiele:

Fragen wir Tante Wikipedia
Nächster Halt: Definition von Wikipedia. Da steht: „Nutzen ist ein Begriff aus dem Bereich der Druck- und Papierverarbeitenden Industrie. Er bezeichnet die Anzahl der auf dem Druckbogen befindlichen Exemplare eines Druckprodukts. Um den Platz auf einem Druckbogen optimal zu nutzen und kostengünstig zu drucken, werden in der Regel mehrere gleiche oder unterschiedliche Exemplare, zum Beispiel Etiketten, Plakate, Verpackungen usw., auf dem verfügbaren Platz verteilt.“

Context is King
Na gut. Und wie heißt das denn auf Englisch? Nachdem wir etliche Fachbücher bei uns im Büro (Graphically Speaking, Print&Finish, Production for Graphic Designers, Getting it Printed, Pons Fachwörterbuch Druck und Verlagswesen…) und die Webseiten von mehreren amerikanischen und britischen  Druckhäusern durchforstet haben, kamen wir zu einem nicht-so-einfachen Schluss:

Zwei Begriffe gibt es: multiple-up printing (und sein Cousin n-up printing wie 2-up, 3-up usw.) und gang-run printing.

Der feine Unterschied: 
wenn die Drucksachen identisch sind  = multiple-up printing.
Wenn sie unterschiedlich sind = gang-run printing.

Aber es wird noch komplizierter: manchmal wird „multiple-up printing“ auch dann verwendet, wenn man mehrere unterschiedliche Buchseiten auf einem Bogen druckt. Aber das ist wahrscheinlich noch kein gang-run, weil Buchseiten aus einem Buch immer das gleiche Format haben.

Hier drei real-world Beispiele aus der Anglosphere:

Another example of “multiple up” printing is promotional rack cards, which are commonly designed 3-Up so that three cards print on one sheet of 8.5” x 11” cardstock. To produce 1,200 rack cards like this the press would only need to cycle 400 times, because the cards are being printed three at a time.

Quelle: 
One of my favorite ways to print something “n-up” (that is, print the same thing multiple times in a grid on a page) is to use the LayoutZone script. Just export the whole page (or whatever part of the page you want) as an INDD file and place that file back into another InDesign document. Then use Step and Repeat to duplicate the “image” at will. If you later edit the original INDD file, it’s updated automatically on the n-up page.“

Quelle: 
We do NOT gang-runany of our print jobs under any circumstance! This is the reason that our reputation for quality is unmatched in our industry. Gang Run Printing refers to the production process of combining multiple jobs to print on the same press sheet. It is intended to help reduce press make-ready costs by spreading the initial production costs across several jobs. The main limitation with gang run printing, is the inability to control the ink density of neighboring images“

Quelle: 


Chard, lemon sole and mimd the gap

Ich war letztes Wochenende in London. Und durfte linguistisch und kulinarisch auftanken. Sprache verändert sich rasend schnell. Als Texter/Übersetzer muss ich (will ich!) unbedingt Schritt halten. Daher sind regelmäßge Aufenthalte in der Heimat nicht nur enjoyable sondern auch educational.

Ein Beispiel: Beim Übersetzen von Broschüren für T-Systems sind wir öfter mal über „elektronische Patientenakte“ gestolpert. Nachdem meine Mutter neulich über ganz was anderes gestolpert ist (und sich ihre fibula gebrochen hat) bin ich im Krankenhaus dem englischen Pendant  begegnet.


Besonders auffällig: In London sind jede Menge Amerkanismen zu hören – und zwar aus sehr englischem Munde (To touch base, ballpark figure, step up to the plate. achieving closure, kick the can down the road…).

Aber auch ohne our American cousins gibt es viel Neues. Besonders beliebt sind portmanteau words – Wörter, die man aus den Fragmenten von zwei (oder mehr) Anderen zusammenbastelt.

To chilax zum Beispiel (aus chill und relax).

A bromance (aus brother und romance) ist eine nicht-sexuelle Männerfreundschaft.

Gegen chuggers(charity und muggers – die meist jungen Leute, die in London überall anzutreffen sind und einem für einen guten Zweck richtig auf die Nerven gehen) wurde jetzt ein Gesetz erlassen – sie dürfen einem nur noch drei Schritte hinterherlaufen. Dann ist die Maus juristisch aus.

Ihr Deutschen könnt Wörter ganz einfach aneinander reihen. Wir nicht (zumindest nicht ohne Schluckauf zu bekommen). Die Not macht in dem Fall erfinderisch (necessity is the mother of invention) – und daher so viele portmanteau words. Zumindest ist das MEINE Hypothese.

Eine weitere Entdeckung: up in ganz neuen Verb-Kombination.

I’m all layered up sagte mir eine Kassiererin in Marks and Spencer. Was so viel heißt wie: Ich habe mich ganz warm angezogen (= viele Schichten über einander).

They’re all loved up ist eine von The Daily Mail bevorzugte Beschreibung für verliebte Promis.

Und wenn ein wimp(Warmduscher) endlich mal a bisl Rückgrat zeigen soll, so sagt man: man up!

Im kulinarischen Bereich habe ich Lebensmittel entdeckt, die ich sonst eher auf Deutsch kenne. In Osterley Park gibt es ein farm shop, in dem man für ein Pfund eine riesige Tüte Swiss chard (Mangold) kaufen kann. Allerdings ist Mangold im  Kaufland Ludwigsburg (ein schrecklicher Laden…) größer, weniger farbenfroh und eindeutig weniger frisch.




Hier das Rezept dazu:


Wobei ich recht viel Mangold verwendet habe (wir hatten ja so viel!!). Außerdem habe ich einige Scheiben chorizo gebraten und reingeworfen (diese ganz scharfe Wurstsorte ist in Great Britain inzwischen sehr beliebt). War eine richtig scharfe Ergänzung.

In Borough Market habe ich eine lemon sole (Rotzunge) für drei Pfund ergattert. Die dover sole (Seezunge) war mir mit neun (!) Pfund pro Stück doch etwas happig. Aber dafür ist der Fisch in London richtig frisch.




Und ihr kennt doch alle mind the gap, oder? Naja, in Osterley sprechen sie das wohl etwas anders aus…




The road to compelling copy

Heute ein Beitrag von Ben Davidson:

As an Englishman living in Germany, I’ve noticed a vast difference in marketing styles between the two countries. Sometimes, German companies’ marketing leaves a bit to be desired, with copy that is functional without being fascinating.

The carsharing case study

German firm Stadtmobil and US-based Zipcar are both market leaders and offer near-identical carsharing services. But their websites could scarcely be more different. The contrast is remarkable, and not only in terms of the texts. The visuals and usability of the sites are worlds apart.

The most striking thing is the sheer amount of text on the Stadtmobil site. And when you work up the courage to read the copy, the language is dull and sterile – it doesn’t forge a connection with the reader. The same cannot be said of Zipcar. Their site has its own personality, cool images and a sprinkling of humour. It drives you to find out more.

Picking a style that reflects the service?

Note the friendly tone of voice – it’s all part the cool, fun brand identity. There is a distinctly informal feel: phrases like “We’re easy”, and “The doors will unlock, and it’s all yours!” see to that. Zipcar explains why a car club is a great idea, linking these reasons to real-life situations. In contrast, Stadtmobil simply lists potential benefits. It’s not terrible, but it doesn’t reach out to the reader or inspire them to sign up.

Consumer friendly or eco friendly?

There is another fundamental difference between the two brands. Stadtmobil emphasises the eco-friendly aspect of the shared-car model, saying how good it is for the PLANET. Zipcar say how good it is for YOU. Ok, they acknowledge the green benefits, but the real focus is on the user. This opens them up to a wider audience. Have a look at how Zipcar compares itself to conventional car rental:

So who is in the driving seat?
What I like about the Zipcar site is that all the pages have the same tone of voice, and project a consistent brand image. Light-hearted, engaging and informative copy helps make a boring task seem fun! It presents the service in a fresh and exciting way, using this persona to draw you in. And personality is a key ingredient, as people are far more likely to buy into a brand they identify with. While Stadtmobil is stuck on the hard shoulder, Zipcar is streets ahead.