Impressum ist nicht imprint

Ich habs schon ausführlich behandelt – aber die heutige Lektüre von The Independent bestätigt meine ohnehin extrem tiefe Abneigung gegenüber der Verwendung von imprint als vermeintliche Übersetzung von Impressum.

Imprint ist eine Marke, oft eine Untermarke, im Verlagswesen (bitte die Einleitung lesen):

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/books/features/the-art-of-book-cover-design-1736014.html

Auch interessant ist die Verwendung im dritten Absatz von savvy (sowas wie “kundig”, aber relativ salopp vom Duktus her). Es erscheint immer in Kombinationen:
street-savvy, design-savvy, IT-savvy, business-savvy – ihr könnt das gern selber fortsetzen/ausbauen.

Stand: März 2017 (auf Englisch)

Bei vielen deutschen Dokumenten prangert das Wort „Stand“ auf dem Titelblatt. Es folgen ein Doppelpunkt und ein Datum. Zum Beispiel: Stand: März 2017.

Die übliche Ich-will-nicht-lange-darüber-nachdenken-Übersetzung lautet: Status.

Achhhhhhhhhh. Das ist fast so schmerzhaft-grauenhaft wie imprint. Aber nur fast.

A status symbol?
Ein status wäre „Draft“ oder „Approved“ oder „Top priority“. Aber kein Datum!!!

Also wie übersetzt man dann „Stand“, Martin Clever-Clogs (= Besserwisser)? Am besten gar nicht. Auf englischen Unterlagen steht meist das Datum – und sonst gähnende Leere.

Aber Kunden sträuben sich dagegen. Man muss denen schon was zum Futtern geben. Sonst werden sie unruhig und stören während des zweiten Kicker-Spiels oder der sechsten Kaffeepause mit einem lästigen Anruf.

Feines Futter
Im Laufe meiner vielen Übersetzer-Jahre bin ich über einige interessante Kunden-Futter-Möglichkeiten gestolpert. 

Gerade bei Unterlagen, die oft aktualisiert werden, findet man „Last updated: March 2017“ (oder manchmal „Last revised”). Oder man schreibt schlicht und ergreifend „Published in March 2017“ oder Date of publication: March 2017.“ Ist die Sache sehr juristisch, so gibt es auch „Effective date“ – aber bitte nur bei Verträgen und Ähnlichem.

Gib nicht so an

Geht us um Angaben (und nicht ein ganzes Dokument), die sich unter Umständen schnell verändern können – Beispiel: Zur Zeit verfügbar in 11 Ländern. Stand: March 2017) dann würde ich eventuell sowas schreiben wie: Currently available in 11 countries (valid as of March 2017). Man könnte sogar sagen (ich sage es aber ganz leise): status as of March 2017. Aber bitte nur in diesem konkreten Kontext. Denn es geht um den status des Inhaltes nicht um die Aktualität des Dokumentes. Capito?

Den Doppelpunkt kann man auch getrost weglassen – oder auch nicht. Aber grundsätzlich sollte man einen deutschen Doppelpunkt beim Übersetzen ins Englische in Frage stellen.

A cynic is a disappointed idealist
Wenn Ihre Kunden immer noch unruhig sind – schicken Sie denen einen Link auf diese Seite. Das machen andere auch. Denn viele Kunden glauben es offensichtlich nur, wenn es im Internet steht. Zynisch? Moi?

Wie übersetzt man Impressum? Part 2. Take 2.

Wir wollen heute mal die virtuelle Denglisch-Welt ins Visier nehmen.

Ein Website-Impressum ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben, klar definiert, und fast immer auf der Startseite klar erkennbar. Woanders ist das anders. Egal. Das Ding muss übersetzt werden.

Die meisten Übersetzer schreiben imprint. Leo-Müll. Siehe Part 1.

Manche schreiben masthead. Hab ich sogar ein paar mal im echten Online-Leben gesehen – aber immer nur auf Websites von Zeitschriften. Das liegt auch nah (see Part 1 again). Jetzt googeln Sie aber masthead. Merken Sie was? Fast alles deutsche Websites. Also nicht falsch, aber auch nicht unbedingt die beste Lösung.

Disclaimer oder legal info vielleicht? Wenn es stimmt, dann gern. Aber ein Impressum umfaßt meist allgemeine Infos, nicht nur juristiche Haftungsausschlüsse.

Ich empfehle wieder fuzzy research. Was finden wir: About this Website. Recht häufig. Weniger oft: Website info oder site information.

Fazit: es gibt hier tatsächlich eine Lösung – eine, die dem deutschen Impressum (mehr oder weniger) entspricht. Und im Englischen verwendet und verstanden wird. Also Lazy Leo Linguists take note: nie wieder imprint schreiben.

Free English lessons
Take 2 = Klappe 2; also im übertragenen Sinne ein 2. Versuch
Fuzzy = unscharf; fuzzy research in Anlehnung an fuzzy logic
Leo fans take note = Leo-Anhänger aufgepasst

Wie übersetzt man Impressum? Part 1

Ich habe mich eine ganze Weile vor diesem Begriff gedrückt. Zum einen ist es verdammt knifflig zu erklären. Zum anderen regt mich das Thema auf – denn hier merkt man die Bequemlichkeit vieler Übersetzer (sprich: es steht weit oben bei Leo, also nehme ich das halt – auch wenn ich das selber nie gehört habe). Aber eins nach dem anderen:

Heute widmen uns den Print-Produkten (morgen kommen die Websites dran)

Bei germanischen Publikationen stolpert man regelmäßig über die Überschrift “Impressum”. Nun, was steht bei englischen newspapers, magazines and books? GAR NIX.

Es werden zwar Herausgeber, Anzeigenverkaufsleiter und Art-Director aufgeführt. Aber ohne Überschrift. Das ist mir damals in Liverpool und London natürlich gar nicht so aufgefallen – aber später habe ich im Gegensatz zu den Lazy Leo Linguists (sehen Sie – das Thema regt mich auf!!!!) Recherche betrieben.

Aber welcher Kunde akzeptiert den Hinweis: GAR NIX? Keiner. Erst recht nicht der schwäbische Grafiker, dem das Wort Impressum so vertraut ist wie die Schlachtrufe von VfB Stuttgart. Also schreiben viele Übersetzer imprint, oder die besonders faulen (sorry, sorry, aber ich habe Sie gewarnt: das Thema regt mich auf!!!!!) gleich impress. Impress ist beeindrucken. Hoffentlich tut das die Zeitschrift auch. Aber die Überschrift ist n Scheiß (I did warn you).

Imprint ist schwierig, sehr schwierig. Ja, ja, auf Seite 397 unter Absatz 24 der Mega-Groß-Ausgabe von dem Oxford-Wörterbuch steht irgendwas dazu. Aber ich habe noch nie in meinem Leben diese Überschrift gesehen – bis auf übersetzte deutsche Titel.

Man nehme einen normal sterblichen Engländer und zeige ihm diese Überschrift. Was versteht er dadrunter? GAR NIX. imprint ist für ihn ein Abdruck. Wovon ist nur die Frage.

Hat denn imprint GAR NIX mit Publikationen zu tun. Doch, doch. Es steht sogar teilweise auf der Impressumseite drauf. Und imprint page ist absolut koscher. Wir verwenden das Wort aber ganz anders.

Haben Sie einen novel irgendwo rumliegen? Schauen Sie vorne rein – da steht unter Umständen sowas wie: Pantheon is an imprint of Random House (ich habe übrigens genau diesen Satz gestern auf dem Weg zum Squashspielen in Waiblingen im National Public Radio gehört – ein Sender, der den Beweis liefert, dass es doch intelligentes Leben auf dem Planeten USA gibt).

Oder googeln Sie mal (mit Anführungszeichen vorne und hinten) “is an imprint of“. You see? Imprint ist sowas wie eine Untermarke von einem Verlag.

Also was tun? Fuzzy research heißt das Zauberwort. Damit meine ich: um das Thema herum recherchieren – nicht nur versuchen, eine schnelle, nicht-hinterfragte Bestätigung für eine bequeme Übersetzung zu finden.

Und wir werden dann fündig. So schreiben manche US-Titel masthead. Aha!!!! Wir haben die Lösung!!! Jaaaaa. Maybe. Es wird aber selten als Überschrift verwendet (Und bitte bloss nicht für Websites, aber das kommt in Part 2).

Außerdem: für viele bedeutet masthead nicht die Auflistung der Magazin-Mitmacher sondern der Schriftzug auf der Titelseite. Es ist möglicherweise wieder so eine Kultur-Kluft zwischen Britain and America. Ich bin mir da nicht sicher.

Es gibt auch andere Möglichkeiten: credits liest man bei manchen coffee-table books zum Beispiel. Ich persönlich finde about this publication oder publication details nicht schlecht als Hilfslösung. Aber es ist nur das: eine Hilfslösung für verständnislose VfB-Stuttgart-Fans mit Hang zur Grafik.

Eins ist jedoch bombensicher: imprint ist keine gültige Überschrift. Leo fans take note.

Free English lessons:
Fuzzy = unscharf; fuzzy research in Anlehnung an fuzzy logic
Novel = Roman
Coffee-table book = Bildband
Leo fans take note = Leo-Anhänger aufgepasst!